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Samstag, 10. Mai 2014

Das kommunistische Prinzip

Der Wecker klingelt um halb acht. Es ist Dienstag, aber das ist egal; bis auf den Sonntag laufen alle Tage gleich ab. Ich stehe auf und blicke mich in meinem Zimmer um. Das Licht der durch das Fenster einfallenden Sonnenstrahlen fällt auf nichts weiter als mein Bett und einen kleinen Tisch, auf dem der Wecker, ein Bündel Klamotten und eine Waschtasche stehen. Ich nehme das über Nacht gewaschene Bündel und kleide mich an. Anschließend packe ich die Waschtasche und verlasse meine Baracke, um ins Bad zu gehen. Es ist ein Gemeinschaftsbad und ich muss einige Minuten warten, bis eine Dusche frei wird. Nach dem Zähneputzen bringe ich meine Waschtasche zurück in mein Zimmer und begebe mich in Richtung Versammlungshaus. Alle kommen morgens dorthin. Um acht beginnt der Morgenappell. Alle tragen die gleiche Uniform. Anschließend laufen alle zu ihrer Essensausgabestelle. Man hat die Wahl: Kakao oder Tee, sonst ist alles gleich; ein Brötchen, ein Stückchen Butter und ein Stück Schokolade. Ich stelle mich in die Kakaoschlange, das tue ich jeden Morgen, weil Kakao gut schmeckt; den Tee habe ich nie probiert. Ich tausche meine Schokolade bei einem Unbekannten gegen sein Stückchen Butter.
Meine Arbeit beginnt um zehn. Ich arbeite als Mathematiklehrer. Diese Arbeit habe ich an der Arbeitsvergebestelle bekommen, weil ich gut rechnen kann. Ich wollte nie Lehrer werden, aber ich bin gut darin, also spielt es keine Rolle. Es ist ja nur für drei Stunden. Jeder arbeitet nur drei Stunden am Tag, mehr gibt es nicht zu tun. Einer meiner Kollegen kommt zu spät. Der Arbeitsgruppenleiter fragt warum. Der Kollege war auf der Krankenstation, weil er am Morgen starke Halsschmerzen hatte. Es ist in Ordnung.
Um eins gehe ich erneut zur Essensausgabestelle. Ich esse gemeinsam mit meinen Arbeitskollegen. Jeder bekommt das gleiche Gericht; außer er verträgt es von Natur aus nicht. Es ist schlicht, aber gesund und sättigend. Wer etwas nicht mag, der tauscht.
Um zwei treffen sich die Leute, die vormittags arbeiten. Es gibt eine Instruktion in ein Thema und anschließend werden Grüppchen gebildet, in denen man über das Thema sprechen soll. Heute haben wir über vergleichende Religionslehre gesprochen. Ich habe erzählt, dass ich Christ bin. In meiner Gesprächsgruppe gibt es Anhänger verschiedener Religionen, aber wir haben keine Probleme deswegen.
Um vier ist das Treffen vorbei und bis um sieben steht Freizeit auf meinem Plan. Ein paar Kollegen aus meiner Gesprächsgruppe und ich gehen in den Park. Einer verabschiedet sich, weil er zur Problemansprechstelle muss. Ich fühle mich ziemlich verspannt und schlage ihnen und einigen anderen Leuten vor, einen Massagekreis zu machen. Einige finden den Vorschlag toll. Dann spielen wir noch ein bisschen. Zwei Bekannte von mir, ich sehe sie fast jeden Tag, kommen dazu. Der eine arbeitet in der Landwirtschaftsverwaltung, der andere fegt täglich die Straße. Sie hatten beide einen schönen Arbeitstag.
Um sieben gehen wir zum Abendessen. Danach müssen alle zum Abendappell.
Nach dem Appell gehen wir zum Klub und singen, tanzen und trinken ein wenig.
Ab um elf sollen alle in ihrer Baracke sein. Alle bis auf die Nachtwachen. Die passen auf, dass nachts nichts passiert.
Ich schlafe ein.

Der Wecker klingelt um halb acht. Es ist Mittwoch, aber das ist egal; bis auf den Sonntag laufen alle Tage gleich ab. Ich stehe auf und blicke mich in meinem Zimmer um. Das Licht der durch das Fenster einfallenden Sonnenstrahlen fällt auf nichts weiter als mein Bett und einen kleinen Tisch, auf dem der Wecker, ein Bündel Klamotten und eine Waschtasche stehen. Ich nehme das über Nacht gewaschene Bündel und kleide mich an. Anschließend packe ich die Waschtasche und verlasse meine Baracke, um ins Bad zu gehen. Es ist ein Gemeinschaftsbad und ich wundere mich, dass ich heute sofort eine freie Dusche bekomme. Nach dem Zähneputzen bringe ich meine Waschtasche zurück in mein Zimmer und begebe mich in Richtung Versammlungshaus. Alle kommen morgens dorthin. Um acht beginnt der Morgenappell. Alle tragen die gleiche Uniform. Anschließend laufen alle zu ihrer Essensausgabestelle. Man hat die Wahl: Kakao oder Tee, sonst ist alles gleich; ein Brötchen, ein Stückchen Butter und ein Stück Schokolade. Heute werde ich Tee nehmen ...

Kommentare:

  1. Klingt nach Taize.... Hast du schöne Ferien gehabt?

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    1. In der Tat ist der Text sehr an einen Tagesablauf in Taizé angelehnt. Ja, die hatte ich. Sehr schöne Ferien sogar. Und selbst?

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  2. Sehr sehr schöne Geschichte.
    Ist meiner Meinung nach der beste Beitrag auf deinem Blog (nicht das ich die anderen Beiträge nicht auch mögen würde).
    Würde mir mehr solcher Art wünschen.

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