Seiten

  • Startseite
  • Impressum
  • Inhalt
  • MINT
  • Sprache
  • Soziales
  • Geist
  • Kunst
  • Gemischtes
  • Gedichte

Freitag, 19. Dezember 2014

Das kommunistische Prinzip #2


Deutsch

Für den ers­ten Teil s. Das kom­mu­nis­ti­sche Prin­zip.

Ich wa­che auf.
Der We­cker zeigt halb eins. Es ist Frei­tag, aber das ist egal; bis auf Sonn­tag lau­fen al­le Ta­ge gleich ab. – Nor­ma­ler­wei­se. – Ich ste­he auf und bli­cke mich in mei­nem Zim­mer um. Das Licht der durch das Fens­ter ein­fal­len­den Son­nen­strah­len fällt auf nichts wei­ter als mein Bett und einen klei­nen Tisch, auf dem der We­cker, ein Bündel Kla­mot­ten und ei­ne Wasch­ta­sche ste­hen. Ich neh­me das merkwürdig un­glat­te Bündel – es ist un­ge­wa­schen – und klei­de mich an. An­sch­ließend pa­cke ich die Wasch­ta­sche und ver­las­se mei­ne Ba­ra­cke, um ins Bad zu ge­hen. Es ist ein Ge­mein­schafts­bad, aber nie­mand ist da. Es kommt kein Was­ser. Nach dem Zähne­put­zen brin­ge ich mei­ne Wasch­ta­sche zurück in mein Zim­mer – der We­cker zeigt im­mer noch halb eins – und be­ge­be mich in Rich­tung Ver­samm­lungs­haus. Al­le kom­men mor­gens dort­hin. Doch heu­te ist nie­mand auf den Straßen. Das Ver­samm­lungs­haus ist leer.
Ich set­ze mich mit­ten auf die lee­re Straße ... Stil­le ... Ich ha­be Hun­ger und ge­he zur Es­sens­aus­ga­be­stel­le. Kur­zer­hand klet­te­re ich darüber und fin­de mich in ei­nem lee­ren Haus wie­der. Nach ei­ni­gem Su­chen ge­lan­ge ich in einen La­ger­raum. Dort öff­ne ich einen Kar­ton mit ein­ge­mach­tem Misch­gemüse und es­se et­was von sei­nem In­halt.
Ich höre ein Geräusch und be­ge­be mich nach draußen. Dort du­cke ich mich hin­ter ei­ne Bank, um nicht von den selt­sam aus­se­hen­den Neu­ankömm­lin­gen ge­se­hen zu wer­den. Sie wir­ken ir­gend­wie luf­tig, auf­ge­bla­sen und ha­ben große, lee­re Au­gen; Mund und Na­se sind ein ein­zi­ges Ge­bil­de, von dem Schläuche aus­ge­hen und auf ih­rem Rücken in einen Behälter münden. Erst, als sie ganz na­he sind, er­ken­ne ich, dass es sich um Men­schen in Schutz­anzügen han­delt. Sol­da­ten, Hilfs­kräfte! Ich will auf­ste­hen und auf sie zu­ge­hen. – Ich spüre ei­ne un­ge­wohn­te Ein­wir­kung von außen.

Ich kom­me zu mir. Ich be­fin­de mich nicht in mei­nem Zim­mer.
Es gibt kei­nen We­cker. Es ist ver­mut­lich Sams­tag, aber das ist egal; die­se Ta­ge lau­fen eh nicht al­le gleich ab. Ich rich­te mich auf und bli­cke mich in dem Zim­mer um. Es gibt kein Fens­ter, trotz­dem fal­len Licht­strah­len ei­ner Lam­pe von der De­cke her­ab. Sie fal­len auf nichts wei­ter als einen Wech­sel­strom­ge­ne­ra­tor, be­ste­hend aus ei­ner Kat­ze, wel­che ein Mar­me­la­den­brot auf ih­rem Rücken hat, ei­nem Tra­fo­kas­ten und ein paar Ka­beln. Mei­ne Kla­mot­ten von ges­tern ha­be ich noch an. Ich will den Raum ver­las­sen, doch mir kommt je­mand ent­ge­gen.
Er heißt mich will­kom­men.

Kommentare:

  1. Okay, also erst einmal will ich nochmals betonen wie sehr ich deinen Schreibstil mag. Gerade bei deinen Geschichten habe ich das Gefühl, als hätte ich ein neu veröffentlichtes Werk in meinen Händen.
    Gut, soviel dazu.
    Wie du weißt mochte ich den ersten Teil dieses Beitrages mit am meisten auf deinem Blog, wobei ich sagen muss, dass mir der erste Teil vollkommen gereicht hätte. Ich mag offene Enden bei denen sich jeder seinen Teil denken kann. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich natürlich trotzdem sehr über die Weiterführung der Geschichte freue. Jetzt wo du weiter geschrieben hast, bin ich natürlich gespannt wie es weitergeht und hoffe, dass du nicht alles gleich im nächsten Teil aufklärst.
    Ansonsten hatte ich beim Lesen ein bisschen das Gefühl, als würde es in die Science-Fiction-Richtung gehen, was ich nicht unbedingt so toll fände, aber es ist ja dir überlassen welche Art von Geschichte du schreiben willst.
    Also, weiter so! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, da will jemand einen dritten Teil? Bis ich meine Gedanken dazu geordnet habe, wird wohl noch ein Weilchen vergehen ...

      Löschen