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Donnerstag, 11. Dezember 2014

Obst und -bezeichnungen aus China


Deutsch

Es ist wie­der­mal Ap­fel­si­nen- und Man­da­ri­nen­zeit. Wie al­le Zi­trus­früchte stam­men sie ur­sprüng­lich aus Asi­en und wer­den nun auch in kli­ma­tisch ge­eig­ne­ten Ge­bie­ten Eu­ro­pas wie Spa­ni­en an­ge­baut. Manch ei­ner mag es sich des­halb nur schwer vor­stel­len, dass die­se Früchte zu früher­en Zei­ten aus Chi­na im­por­tiert wur­den. Da­bei ist die­se Vor­stel­lung gar nicht so ab­we­gig, wenn man sich die Be­zeich­nun­gen von Ap­fel­si­ne und Man­da­ri­ne an­schaut: Ap­fel­si­ne hieß vor nicht all­zu lan­ger Zeit ein­mal Ap­fel­si­na, was wie­der­um die Zu­samm­zie­hung von Ap­fel de Si­na, al­so Ap­fel aus Chi­na, ist. In­wie­weit ei­ne Oran­ge jetzt ei­nem Ap­fel gleicht, ist mit Si­cher­heit dis­ku­ta­bel. Spaßfakt am Ran­de: Die Far­be Oran­ge lei­tet sich vom vor al­lem in Süddeutsch­land ge­brauch­ten Na­men Oran­ge für Ap­fel­si­ne ab und nicht um­ge­kehrt. Auch die gern ge­ges­se­ne Po­me­lo hat ih­ren Na­men vom Ap­fel, denn es han­delt sich hier­bei um ei­ne eng­li­sche Zu­sam­men­set­zung von po­me und me­lon, al­so ei­ne Ap­fel­me­lo­ne, was ihr Aus­se­hen mei­ner Mei­nung nach auch ziem­lich gut be­schreibt. Die Be­griffs­her­kunft von Man­da­ri­ne ist nicht ein­deu­tig ge­klärt (s. Wi­ki­pe­dia: Man­da­ri­ne). Ver­mut­lich hängt er mit den früher­en chi­ne­si­schen Be­am­ten, den Man­da­ri­nen (Sg.: Man­da­rin) zu­sam­men; eben­so wie die Be­zeich­nung Man­da­rin für Hoch­chi­ne­sisch. We­gen ih­res Aus­se­hens kommt auch die Man­da­ri­nen­te zu ih­rem Na­men.

Ei­ne wei­te­re, we­ni­ger be­kann­te Zi­trus­frucht ist die Yu­zu. Bei ih­rer deut­schen Be­zeich­nung han­delt es sich di­rekt um den ein­ge­deutsch­ten chi­ne­si­schen Be­griff 柚子 (yòuzi). Ein sol­ches Wort nennt man im Fach­chi­ne­si­schen einen Si­nis­mus (d. h. Fremd­wort aus dem Chi­ne­si­schen, vgl. An­g­li­zis­mus, Gal­li­zis­mus usw.). Wei­te­re (bzw. mei­ne Lieb­lings-) Bei­spie­le für Si­nis­men sind Lit­schi von 荔枝 (lìzhī) und Ketch­up von 茄汁 (qiézhī).

Nach­trag: Pi­neapp­le (Eng­lisch für Ana­nas) be­deu­tet wört­lich Pi­ni­en­ap­fel. Das rührt von der Ähn­lich­keit der Ana­nas­frucht und den großen Pi­ni­en­zap­fen her. Spaßfakt: Das bei uns zu Hau­se ge­brauch­te Dia­lekt­wort für sol­che Zap­fen ist Kus­teln; ich erwähne das an die­ser Stel­le, weil ich ge­ra­de ver­zwei­felt Pi­ni­en­kus­teln ge­g­oo­gelt ha­be.

Nach­trag 2: Die Chi­ne­sen ma­chen das mit den ausländi­schen Früchten aber auch nicht an­ders: 西瓜 (xīguā) heißt auf Deutsch (Was­ser-)Me­lo­ne und wört­lich über­setzt west­li­cher Kürbis.


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