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Montag, 3. August 2015

Mischmasch-Wirrwarr #2


Deutsch

Grammati­sche Ge­schlech­ter

Eng­lisch, Französisch, Italie­nisch, Lateinisch, Russisch, Spanisch – all die­se und noch weite­re Spra­chen wer­den an deut­schen Schulen als Fremd­spra­chen­fach angebo­ten. Und alle ha­ben sie ei­nes (mit dem Deut­schen) gemeinsam: Langweilige Ge­ne­ra (d. h. grammati­sche Ge­schlech­ter). Deut­sche, eng­li­sche, lateini­sche und russi­sche Nomen sind männlich, weiblich oder sächl­ich; französi­sche, italie­ni­sche und spani­sche Nomen sind ent­weder männlich oder weiblich. De­shalb kann man es wohl auch niemandem, der sich allein in der Schule mit Fremd­spra­chen be­schäftigt hat, ver­übeln, wenn er vermu­tet, dass es in al­len Spra­chen auf der Welt nur die­se drei Ge­ne­ra oder auch nur zwei davon gibt. Dem ist aber bei Wei­tem nicht so! Im Chinesi­schen bspw. gibt es ne­ben den Perso­nal­pronomen der 3. Person für männlich (他), weiblich (她) und sächl­ich (它) auch noch wel­che für animalisch (牠) und göttlich (祂).[1] In der 2. Person gibt es dann nur noch wel­che für männlich (你), weiblich (妳) und göttlich (祢), da die Chinesen offenbar kei­ne Tie­re oder Dinge an­spre­chen. Etwas wei­ter südlich, in Aus­trali­en, gibt es Leu­te, die Dyribal spre­chen. Dort gibt es überhaupt kei­ne Ein­teilung in männli­che, weibli­che und evtl. sächl­i­che Dinge, sondern man teilt ein in: Männer und Tie­re, Frau­en, Feuer und gefährli­che Dinge, ge­nießba­res Obst und Gemüse und den Rest.[2]. (Die zweite Nomen­klasse fand der Lingu­ist George Lakoff so witzig, dass er ein gleich­namiges Buch verfasste.) Aber auf­gemerkt: Die Ein­ord­nung von Nomen in die­se Klas­sen erfolgt grammatisch, nicht natürlich! D. h.: So wie im Deut­schen der Tisch männlich ist, so ist im, eben­falls in Aus­trali­en ge­spro­chenen, Gurr-go­ni das Flugzeug ein Gemüse.[3] Und zu gu­ter Letzt: Im Klingoni­schen un­ter­teilt man in der Spra­che mächtige En­t­i­tä­ten, Körper­teile und den Rest. Da ich kein Klingonisch beherr­sche, kann ich nicht be­ur­teilen, inwieweit da (wie im Eng­li­schen) kon­sequent zuge­ordnet wird, aber da das Stuhl­bein auch im Klingoni­schen ein Körper­teil ist, kann man auch hier davon aus­gehen, dass kei­ne kon­sequente Zu­ord­nung durch­gezogen wird.[4]

Es­pe­ranto-Wort­spiele

Ich habe im In­ternet ein bis­s­chen nach Wort­spie­len und Neo­logismen (d. h. modernen Wort­schöpfun­gen) im Es­pe­ranto gesucht. Mein ab­solu­ter Favo­rit, was die Wort­spiele angeht, ist:

Ki­al ĝirafo neniam es­tas so­la? – Ĉar ĝi havas kolegon!
Übersetzt:
Wa­rum ist ei­ne Giraffe niemals allein? – Weil sie ei­nen Kollegen hat!
Der Wortwitz be­steht hier dar­in, dass kolego sowohl Kollege als auch großer Hals bedeu­ten kann.[5] Und auch nicht schlecht:
Ĉu vi sci­as, ke la lokomo­tivo es­tas tre demandema? – Ĝi ĉiam di­ras: Ĉu, ĉu, ĉu ...
Auf Deutsch:
Weißt du, dass die Lokomo­tive sehr neu­gierig ist? – Sie sagt im­mer: Tut, tut, tut ...
Hierbei liegt der Witz im Wört­chen ĉu (sprich: tschu), wel­ches ei­ner­seits zum Einlei­ten von Ja-Nein-Fra­gen benutzt wird und an­derer­seits ei­ne In­terjekti­on für den Klang ei­ner Lokomo­tive ist. Und zu gu­ter Letzt:
Kiu lando havas ses laterojn? – Kubo.
Man überset­ze selbst (Hilfe: late­roSeite). Was die Neo­logismen angeht, fand ich die Präfixrückbildun­gen ganz in­ter­essant. Zum Bei­spiel hat malgraŭ die Bedeu­tung trotz. Da das Präfix mal- aber norma­lerweise das Gegen­teil des Grundwortes markiert, hat sich in der Umgangs­spra­che das Wort graŭ in der Bedeu­tung in Über­ein­stimmung mit eta­bliert. Die­se Rückbildung fin­de ich sogar noch legi­tim, aber die nächste einfach nur lustig: fi­nanco bedeu­tet Fi­nanz. Das Präfix fi- markiert aber norma­lerweise ei­nen Mangel an Sittlichkeit, es macht das Grundwort qua­si übel/schlecht. Und dar­aus ist das umgangs­sprach­li­che Wort nanco in der Bedeu­tung sitt­li­cher Umgang mit Geld ent­stan­den (was gleichzeitig bedeu­tet, dass fi­nanco der un­sittli­che Umgang mit Geld ist). Da zeigt sich wieder die linksgerich­te­te Es­pe­ranto-Bewegung.[6]

Rumgeeye ;-)

Mir ist auf­gefal­len, dass ich manch­mal intuitiv In­terjektionen nach dem Sche­ma Rumge- + In­terjekti­on + -e substantivie­re (z. B. Lass dieses Rumgeneee! im Sinne von Hör mit dem ständigen Neesa­gen auf!). Die­ses Sche­ma ist ei­gentlich für Ver­ben üblich (um sie zu negativie­ren) und so hat es mich in­ter­es­siert, ob an­de­re Leu­te das auch so ma­chen wie ich. Und tatsächl­ich: Im In­ternet fin­den sich u. a. Belege für: Rumgeaue, Rumgeeye, Rumgehee, Rumgehie, Rumgemiaue, Rumgenei­ne, Rumgepste und Rumgewaue.

Duniver­sen, Sexorzismen und Stuhlde­ro­ben

Stöbert man regelmäßig auf 9GAG und im Ur­ban Diction­ary, stößt man ab und an auf Wort­lis­ten wie die­se. Wör­ter, die sich sowieso gänzlich oder teilweise aus Fremdwort­teilen zu­sammenset­zen, wie bedgasm, nonver­sati­on oder sexorcism las­sen sich auch schnell und einfach in die deut­sche Spra­che brin­gen: Bettgasmus, Nonver­sati­on und Sexorzismus.[7] Wie ma­chen wir es aber mit yo­universe, chairdro­be und textpectati­on? Mei­ne erste In­ten­si­on für die Übersetzung von yo­universe war Duniversum und auch hier bestätigt Goog­le die Verwendung im Deut­schen. Sehr zum Nach­denken ha­ben mich mögli­che Übersetzun­gen für chairdro­be bzw. floordro­be ge­bracht. Denn wenn ich mir mein Zim­mer an­schaue, dann denke ich schon, dass sol­che Wör­ter mal recht praktisch wären. Für Ers­te­res kam mir dann die Stuhlde­ro­be in den Sinn.[8] Als ich mir dann ei­ne ge­eig­ne­te Übersetzung für floordro­be über­legen wollte und dana­ch im In­ternet such­te, er­inner­te mich ei­ne Forumsdiskussi­on daran, dass wir im Deut­schen ja schon das Wort Wä­s­chehau­fen ha­ben, wel­ches in etwa dieselbe Sa­che beschreibt. Und brau­chen wir wirk­lich ei­nen Neo­logismus, wenn wir schon ein Wort in un­se­rer Spra­che für die ent­spre­chen­de Sa­che ha­ben? Ich denke nicht. Für alle weite­ren eng­li­schen Neo­logismen muss dann wohl die Kunst der Um­schreibung herhal­ten. So bleibt die textpectati­on bis auf Weite­res das ge­spannte Erwar­ten ei­ner SMS.


[1]Die­se un­ter­schei­den sich zwar nur in der Schreibung, nicht in der Aus­spra­che, aber es gibt sie.
[2]Quel­le: Wikipedia
[3]Quel­le: Guy Deut­scher: Du Ja­ne, ich Goethe (3. Auf­la­ge), S. 290
[4]Quel­le: lingu­is­ten.de
[5]Doppel­deutigkei­ten wer­den von Es­pe­rantokri­tikern auch gerne mal als Kri­tikpunkt genutzt. So hat filino (fil-in-o, d. h. Toch­ter) die Zweitbedeu­tung filino (fi-lin-o, d. h. Schmutzwä­sche). Mehr davon gibt’s hier.
[6]Natürlich möch­te ich Es­pe­ranto­spre­cher und Es­pe­rantis­ten nicht gleichset­zen.
[7]Goog­le bestätigt, dass die­se drei Begriffe im Deut­schen schon Einzug gefeiert ha­ben.
[8]Ich benut­ze selbst ei­ne und werde de­shalb das Wort in mei­nen aktiven Wort­schatz auf­nehmen, auf Goog­le landet es lei­der nur ei­nen einzigen Treffer.

Kommentare:

  1. Wie wäre es mit SMSehnsucht bzw. SMSehnsuchten (gesprochen: "simsehnsuchten")? Das wort hätte auch gleich eine Doppelbedeutung: Wenn man gerne härteren Sex hätte, aber der Partner immer zu zärtlich ist. ;)

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  2. Wie wäre es mit SMSehnsucht (gesprochen: simsehnsucht)? Das Wort hätte dann gleich noch eine andere Bedeutung: Der (unerfüllte) Wunsch vom Partner im Bett härter rangenommen zu werden. :)

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    1. Wäre "Sim(s)sucht" nicht eine bessere Übersetzung für "textpectation"? Da würde zumindest die Silbenzahl unverändert bleiben, so klingt "Sim(s)sucht" eher wie "Sehnsucht" als "Sim(s)sehnsucht". Googelt man allerdings dieses Wort, dann verweist es auf das Spiel "Sims", nicht auf das Verb "simsen". Und selbst, wenn klar ist, dass es um "simsen" geht, dann bedeutete "simssüchtig" ja eher, dass jemand süchtig nach Senden und nicht nach Empfangen ist. Mit "SMSehnsucht", "SMS-Sehnsucht" oder "SM-Sehnsucht" wusste Google in diesem Zusammenhang nichts anzufangen. Wörter existieren da, wo Menschen sie benutzen. Also benutz es ruhig, vielleicht machen ja andere mit. ;-)

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